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ben die werkseigenen Propagandisten Elektroherde dabei, um die Landfrauen von den Vorzügen des neuen Kochens zuüberzeugen. So ist Frau Schmidt aus Lampertheim inden 1920er Jahren begeistert: „Eigener Herd ist Goldes wert, umsomehr (...), wennman einen ‚Salvis‘ sein Eigen nennen kann.“ Damals kostete ein Elektroherd 800 Reichsmark – das entsprach dem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen 1925! Durch die Kooperation mit dem Schweizer Herdhersteller Salvis gelingt es EWR, den Grundpreis auf 300 Reichsmark zu drücken. Der betriebswirtschaftliche Kniff: Die Herd-teile werden in Schaffhausen gefertigt und bei der eigens in Worms gegründeten Salvis AG nur zusammengebaut. Außerdem nimmt EWR den Vertrieb selbst in die Hand und bietet den Herd zum Kauf auf Raten und zum Mieten an. Dazu gibt es eine intensive Beratung: „Bereits 1935 kre-ierte die Werbeabteilung den Slogan ‚Strom verwenden, nicht verschwenden!‘“, sagt Emma Klingler, die für EWR jahrzehntelang als hauswirtschaftliche Elektroberaterin in Rheinhessen unterwegs war. „Ich habe den Kontakt mit den Kunden draußen geliebt. Und die haben in EWR nicht den Versorger gesehen, sondern den Dienstleister!“, sagt die 64-jährige Lampertheimerin.

Unterstützung hatten die EWR-Berater ab 1935 durch Elek-troinstallateure und den Fachhandel. In und um Gunters-blum herum gingen Menschen zu Elektromeister Edmund

Martin und seinemVater. „Wir haben alles Elektrische aus-gestellt, vorgeführt, verkauft, angemeldet, angeschlossen. Und wenn‘s mal kaputtging, auch wieder repariert!“, erin-nert sich der 78-Jährige. Über dieses System wurde eine ganze Region elektrifiziert, manchmal mit kleiner Verzöge-rung: „Einmal hat mein Vater mit‘m Busje bei EWR zwei Herde geholt“, erzählt Martin mit einem schelmischen Grinsen. „In einer scharfen Kurve imNachbardorf ging aber die Schiebetür auf und die Herde fielen raus – kaputt! Da haben wir zwei heile Herde eben etwas später ausgelie-fert!“, sagt Martin und lacht im Verkaufsraum seines ehe-maligen Geschäfts.

Die Liberalisierung der Märkte 1998 setzt alle Versorger demWettbewerb aus, denn Strom- undGasanbieter wech-seln geht nun per Mausklick. EWR baut die ersten Wind-parks, nimmt eine Anlage zur Verstromung von Erdölgasen in Betrieb (Umweltpreis des Landes Rheinland-Pfalz 1998), investiert in die erste großflächige Solaranlage im Versor-gungsgebiet. Und 1999 ist EWR mit seinem ersten Natur-stromangebot amMarkt. „Wir ruhen uns nicht auf dem Er-folg der letzten 100 Jahre aus, sondern investieren intensiv in die Erschließung erneuerbarer Energien, den Ausbau der Versorgungsnetze und die Förderung der Elektromobilität“,

Emma Klingler früher und heute: Mit ihren Kolleginnen hat sie den Kunden über vierzig Jahre lang den Umgang mit Strom erklärt.

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