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54 VivArt

Mitten in Rödelheim, „Im Füldchen“, liegt der Unterneh-menssitz vonSinn, umgebenvonganz normalenWohnhäu-sern.Wer nicht aufmerksam ist, riskiert daran vorbeizufah-ren. Keine pompöse Gründerzeitvilla mit entsprechender Parkanlage, kein schnörkeliger Luxus, der den Kunden vorwarnt. Doch der Sinn-Kunde hätte dafür wahrschein-lich ohnehin nicht viel übrig. Sinn-Begeisterte sind boden-ständig und setzen auf Understatement. Die Faszination für perfekte Technik bringt sie nach Frankfurt amMain, wo die Uhren von Sinn durch den Direktvertrieb im Vergleich zu anderen großen Marken eigentlich sehr günstig sind. Von knapp 600 bis gut 4200 Euro reicht die Preisspanne für Uhren aus Stahl.

„Nicht teuer imVergleich zu vielen anderenMarken“, meint Inhaber Lothar Schmidt. „Aber dennoch sparen viele Sinn-Kunden lange auf eine Uhr und sind dann einerseits unsere kritischsten Kunden, andererseits unsere bestenWerbeträ-ger“, weißMarketing-Chefin Simone Richter. Dass alle Kun-den den Weg in die Verkaufsräume der Firma Sinn gerne auf sich nehmen, wundert nicht, denn dort stehen auch die eigentlichen Uhrmacher zum Gespräch bereit. Mehr Nähe geht nicht. Und das ist gewollt. Die Macher sollen wissen, was die Kunden wollen. „Hier sammeln sie O-Töne, die en-orm wichtig für die Arbeit sind“, erklärt Schmidt, dessen Augen blitzgescheit glitzern. In einem rotierenden System verbringen die Uhrmacher auch ganze Tage in der Service-Annahme, wo kleine Reparaturen sofort ausgeführt wer-den. Hier befinden sich die Uhren-Profis mit ihren Kunden auf Augenhöhe. „Gut so“, sagt Schmidt, der selbst trotz vie-ler verkaufter Fliegeruhren nie den Boden unter den Füßen verloren hat.

Frankfurter Purismus

Seit 50 Jahren steht die Uhrenmarke Sinn konsequent für Spezialuhren, die durch technische Präzision überzeugen. Firlefanz gibt es anderswo. Dirk Becker traf den sehr präzise tickenden Inhaber Lothar Schmidt im Frankfurter Firmengebäude.

Doch wie kam es zu all dem? Warum ist die Marke aus Rö-delheim mit ihren heute 72 Mitarbeitern so erfolgreich, dass sie am Standort fast aus den Nähten platzt? Ein Blick zurück in die Vergangenheit gibt viele Antworten.

Die Spezialuhren von Fluglehrer und Kriegspilot Helmut Sinn waren seit der ersten Stunde etwas Besonderes. Sinn entwickelte Navigationsborduhren für die Bundeswehr und Fliegeruhren mit Stoppfunktion, die in der Schweiz gefertigt wurden. „Piloten haben Sinn-Zeit“, lautete ein Werbespruch. Am Handgelenk des Astronauten Reinhard Furrer flog 1985 eine „Sinn“ ins All.

Als Helmut Sinn schließlich 1994 das Unternehmen aus Altersgründen verkaufte, war Diplomingenieur Lothar Schmidt bereit, die Firma zu übernehmen. Ein erfahrener Mann, der in den 1970er Jahren im Porsche-Design-Team bereits Uhren konstruierte und dann einer der Prokuristen der Schweizer Luxusuhrenmarke IWC war. Für IWC ent-wickelte Schmidt großartige Titangehäuse und war nach 1990 für den Wiederaufbau der Marke A. Lange & Söhne imsächsischenGlashüttemitverantwortlich, die zu diesem Zeitpunkt noch ein Tochterunternehmen der IWCwar. Kein Wunder also, dass in technologischer Hinsicht eine neue Zeitrechnung begann – vielleicht auch beginnen musste –, um Sinn technologisch und strategisch zukunftsfähig zu machen. Gleichzeitig erfolgte eine Umfirmierung in „Sinn Spezialuhren GmbH“, made in Germany. Schon damals stand Schmidts Entschluss fest, dass er seinen Schweizer Kollegen zeigen wollte, wieman auch in Deutschland herr-liche Uhren baut, auch jenseits von Glashütte.

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